Verfasst von: Steffen Burmeister | 23. Mai 2009

Kreistag Osterholz fordert Kehrtwendung in der niedersächsischen Bildungspolitik

Ein Beispiel für unseren Kreistag (zum Beispiel unter dem Eindruck des massiven Votums der Eltern für die Gründung von Gesamtschulen und nach hinreichender inhaltlicher Auseinandersetzung mit dem Thema) –  Osterholz bringt’s in seiner (über alle Parteigrenzen hinweg einstimmig beschlossenen!) Resolution auf den Punkt:

„Die Landesregierung plant, dass das Abitur auch an den Gesamtschulen nach 12 Jahren Schulzeit abgelegt werden soll (G 8 Turboabitur). Das Niedersächsische Schulgesetz soll entsprechend geändert werden.

Schon ab dem Schuljahr 2010/2011 sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, auch an den Gesamtschulen bereits nach 8 Jahren das Abitur abzulegen.

Der Kreistag fordert die Landesregierung auf, die Planungen für das Turboabitur an Gesamtschulen umgehend zurückzunehmen.

  • Dieses Turboabitur ist ein massiver Angriff auf die Grundkonzeption Gesamtschule und wird daher abgelehnt.
  • Das pädagogische Konzept der Gesamtschulen im Landkreis Osterholz beinhaltet ein möglichst langes gemeinsames Lernen nach dem Vorbild der in den Pisa-Studien international erfolgreichen Länder.
  • Auch vor dem Hintergrund eines ständig steigenden Bedarfes an hochqualifizierten Fachkräften zielt dieses Konzept zu Recht auf eine möglichst hohe Abiturquote bei den Schulabgängern. Nur durch Gesamt- und Ganztagsschulkonzeptionen kann derEinzelne bestmöglich gefördert und zu seinem individuell höchstmöglichen Schulabschluss gebracht werden.
  • Durch die Einführung des Turboabiturs wird ein unnötiger Druck auf die SchülerInnen ausgeübt, der zu einer überflüssigen frühzeitigen Auslese und Trennung innerhalb der Schullaufbahn führt. Hierfür fehlt es an jeder pädagogischen Begründung.
  • Das Turboabitur verpflichtet die Schulen, den Lernstoff für potentielle Gymnasiasten bereits in der Mittelstufe zu separieren. Dadurch wird die einzelne Schule in ihrer Organisation gezwungen, die SchülerInnen bereits frühzeitig nach ihrem jeweiligenLeistungsstand zu trennen. Längerer gemeinsamer Unterricht wird unmöglich gemacht. Durch die auf das Abitur ausgerichtete Unterrichtsstrukturierung für nur wenige Schüler kann ein gemeinsames Unterrichten zur Förderung aller Kinder nichtmehr stattfinden.
  • In der Folge wird die Anzahl qualifizierter Abschlüsse einschließlich des Abiturs gesenkt werden. Die Erfordernisse der Wirtschaft werden vollständig konterkariert.
  • Die Teilnahme am gemeinsamen sozialen Lern- und Reifungsprozess wird den Abituranwärtern nahezu unmöglich gemacht.
  • Das frühzeitige Trennen der Kinder schafft die Durchlässigkeit zwischen den Schulzweigen ab.
  • Die betroffenen Eltern haben in den letzten Jahren bewusst Ihre Kinder an die Gesamtschulen gegeben, um Ihnen die Möglichkeit eines 9-jährigen Abiturs zu eröffnen. Die Einführung des Turboabiturs widerspricht eindeutig dem erklärten Elternwillen.“

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