Verfasst von: burmeister | 5. Mai 2009

Wo Nachhilfe verboten ist

derwesten1Bei uns ist Nachhilfe nicht wegzudenken als Ergänzung des Regelunterrichts. Fast jeder zweite Gymnasiast in den Klassen 5 bis 10 nimmt Privat-Lehrer (siehe DerWesten „Für die einen ist es das offensichtliche Bemühen von Eltern, in der Schullaufbahn ihrer Kinder nichts unversucht zu lassen, für die anderen das Versagen des Schulsystems bei der individuellen Förderung von Jungen und Mädchen. Nachhilfeunterricht boomt in Deutschland“).

Die Reduzierung der gymnasialen Ausbildungszeit hat auch den Turbo für institutionelle Nachhilfe gezündet. „Der Nachhilfemarkt ist der einzige Wirtschaftssektor, der richtig gut läuft” (Eberhard Kwiatkowski, Vorsitzender der Landeselternkonferenz (LEK) in NRW).

Dabei geht es auch ohne: in Skandinavien ist Nachhilfe im Vergleich mit Deutschland – im positiven Sinne – ‚unterentwickelt’; dafür gibt es im Vergleich erheblich mehr Ausgaben ins staatliche Bildungssystem (so soll’s doch eigentlich sein, oder? Im vergleich zu Finnland ist unser Bildungssystem schon teilprivatisiert – siehe dazu z.B. die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung „Das Land in dem die besten Lehrer werden“).

Verboten ist Nachhilfe zum Beispiel in Mauritius, weil nach dort vertretener Meinung (über Forschungen gestützt!) „ein negativer Effekt weit verbreiteter Nachhilfeunterrichtnutzung auf die Qualität des regulären Schulunterrichts ermittelt wird. Es wurde gezeigt, dass Lehrer/innen, die herausfanden, dass ihre Schüler/innen Nachhilfeunterricht nahmen, sich weniger anstrengten, ihren Unterricht schülergerecht zu gestalten und alle relevanten Lehrplanthemen vollständig abzuarbeiten“ (zitiert nach Dohmen, Erbes et al. „Was wissen wir über Nachhilfe? – Sachstand und Auswertung der Forschungsliteratur zu Angebot, Nachfrage und Wirkungen – Berlin 2008“) … diese Studie ist übrigens erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und bringt das Thema noch an anderen Stellen auf den Punkt: es besteht nämlich „ein gewisser Zusammenhang zwischen der Struktur der Schulsysteme in den jeweiligen Ländern und der Inanspruchnahme von Nachhilfe. In Ländern mit einem stark selektiven Schulsystem (Mehrgliedrigkeit, hohe Eintrittsbarrieren in höhere Bildungsstufen) ist die Nachfrage nach Nachhilfe häufig höher, insbesondere in der Übergangsphase von einer Bildungsstufe zur nächsten“.

Die ganze Studie steht unter Sachstand Nachhilfe.

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